Homeschooling – Von der Tafel ins Internet

Homeschooling – Von der Tafel ins Internet

Als der Corona-Virus nach Deutschland kam, konnte noch keiner ahnen, wie sehr er unser Leben verändern wird: Die meisten Geschäfte wurden geschlossen, der Umgang mit anderen Menschen konzentrierte sich auf den eigenen Haushalt, die Arbeit wurde ins Home-Office verlegt und auch die Kindertagesstätten und Schulen wurden geschlossen. Das bedeutete auch für mich eine gewaltige Umstellung. Zum Glück konnte ich meine Abschlussprüfung regulär durchführen, aber schon zwei Wochen später habe ich mich vor dem Computer wiedergefunden, anstatt mit meinen Schülerinnen und Schülern für deren Abschlussprüfung zu lernen.

Die Probleme des Homeschoolings

Mein Referendariat an meiner Ausbildungsschule hat mir sehr viel Freude bereitet und ich konnte Einiges lernen. Dazu gehört auch, welche Art von Unterricht zu mir passt. Direktes Feedback der Schülerinnen und Schüler ist mir besonders wichtig, um zu sehen, ob die angesprochenen Themen ankommen. Dieses direkte Feedback fehlt im Homeschooling. Ich suche Themen und Aufgaben heraus, die von den Schülerinnen und Schüler bearbeitet werden und hoffe, dass alle damit zurechtkommen. Gibt man Hausaufgaben auf, sieht man erst eine Woche später, ob alles verstanden wurde. Zudem sind die Aufgaben von der Landesregierung als freiwillig eingestuft, da nicht alle Schülerinnen und Schüler die notwendigen (digitalen) Voraussetzungen besitzen, sodass ich von machen gar keine Abgabe bekomme. Dies alles macht es mir schwer, einen Regelunterricht, wie man ihn sonst macht, digital zu vollziehen.

Der liebe Datenschutz

Als moderner Mensch denkt man sich aber, dass man mit den neuen Medien schnell eine Lösung finden wird. Leider gibt es aber neben technischen Beschränkungen ein entschiedenes Problem: der Datenschutz. Hier einige Beispiele:

  • Die Lehrerinnen und Lehrer müssen ihre eigenen Endgeräte wie PC, Laptop oder Tablet nutzen, da vom Land NRW keine Geräte gestellt werden. Aber die privaten Geräte dürften eigentlich nicht genutzt werden, da die Sicherheit der Daten schwer zu gewährleisten ist und eine Benutzung privater Endgeräte erst nach Zustimmung möglich ist.
  • Die Kommunikation über WhatsApp mit den Schülerinnen und Schülern ist aus datenschutzrechtlichen Gründen untersagt. Zudem möchte man als Lehrer nicht, dass die eigene Handynummer bei Schülerinnen und Schülern bekannt ist.
  • Video-Konferenzen mit Zoom sind ebenfalls aus datenschutzrechtlichen Gründen untersagt, da die Server in den USA stehen und die App anfangs gesammelte Daten an verschiedene Betreiber verteilt hat.
  • Nach den Osterferien mussten die Quartalsnoten für die Oberstufe fertig sein, aber per Mail darf ich keine Noten verschicken, weil das nicht dem Datenschutz entspricht.

Damit möchte ich nicht sagen, dass der Datenschutz überflüssig wäre, ganz im Gegenteil. Ich bin froh, wenn einige Sachen eingeschränkt werden, um die Daten der Schülerinnen und Schüler und der Lehrer zu schützen. Aber man sieht auch, dass man nicht die erstbeste Lösung nutzen kann, die einem einfällt.

Wie ich digitalen Unterricht versuche

Mein Glück ist, dass an meiner Schule (Schloß-Gymnasium Benrath) mit der Lehr- und Lernplattform Moodle eine gute Basis vorhanden ist, die man zum Unterrichtsmanagement nutzen kann. Ich konnte für alle Klassen und Kurse eigene Lernräume anlegen, in denen ich die Lernmaterialien und Aufgaben einstellen und abfragen konnte. So war es mir möglich, mein dienstliches E-Mail-Postfach zu schonen und zugleich strukturiert Lerninhalte anzubieten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten war es auch möglich, Klassenchats in den Lernräumen zu öffnen, sodass ich direkten Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern bekommen habe, wie ich ihn sonst mit z.B. WhatsApp oder vergleichbaren Instant-Messengern bekommen hätte. Nicht optimal, aber vollkommen ausreichend.

Für das Thema Video-Konferenz arbeitet meine Schule mit WebEx von Cisco. Hiermit werden nicht nur die Lehrerkonferenzen abgehalten, sondern auch Sprechstunden mit den Schülerinnen und Schülern ermöglicht. Dank meiner technischen Möglichkeiten konnte ich sogar eine Art Tafel einblenden lassen, wenn ich etwas erkläre. Eine neue Lösung für Videokonferenz und Chat ist mit BigBlueButton in Arbeit, wie man auch schon in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung lesen konnte.

Unterricht dank YouTube ermöglichen

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Erster Live-Stream

Ebenfalls in der NGZ gab es auch einen Einblick in meinen virtuellen Unterricht mit Hilfe von selbsterstellten Videos. Da lange Zeit nicht klar war, ob mein Mathe-EF-Kurs (Einführungsphase / Klasse 10) eine zentrale Klausur schreiben muss, versuchte ich die wichtigsten Themen dafür schon früh zu vermitteln. Dazu erstellte ich eigene Lernvideos, die ich über YouTube veröffentlicht habe. Ein Vorteil hierbei ist, dass ich genau weiß, welchen Wissensstand die Schülerinnen und Schüler haben und ich entsprechend gezielt darauf eingehen kann. Ein Highlight waren die Live-Streams, die ich mit entsprechend technischem Aufwand durchgeführt habe.

Wie der Livestream funktioniert

Wie für die Erklärvideos habe ich hier mit der Software OBS Studio für die Produktion des Livestreams gearbeitet. Die Software AirServer hilft bei der Darstellung des iPad-Screens auf dem Bildschirm und die App ExplainEverything EDU dient als virtuelle Tafel. Dieses Set an Hilfsmitteln hat mir eine schnelle Videoproduktion ermöglicht. Der Vorteil der Live-Stream ist, dass die Schülerinnen und Schüler direkt Fragen stellen können, während ich erkläre. Der kleine Zeitversatz von 30 Sekunden ist dabei nicht schlimm, da man trotzdem noch zeitnah auf die Fragen und Hinweise eingehen kann. Die Schülerinnen und Schüler können zu allen Themen Fragen stellen, so dass ich Unterricht und Sprechstunde in einem anbiete. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann alle Videos in einer YouTube-Playliste sehen.

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Wie es weiter geht

Ich hoffe, dass der reguläre Unterricht nach den Sommerferien wieder anfangen kann, da mir der persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern fehlt. Aber auch vor den Ferien werde ich einen Mathe-Kurs in der Schule unterrichten können, sodass langsam ein Lehrer-Gefühl zurückkommen kann. Aber trotzdem wird auch das Homeschooling bleiben, verbunden mit der Hoffnung, dass einiges, was in der Corona-Zeit versucht wurde, den Weg in den regulären Unterricht findet. Warum sollen die Schülerinnen und Schüler nicht häufiger über Videos lernen und die passenden Aufgaben in der Schule bearbeiten (Konzept des sogenannten Flipped Classrooms)? Warum sollte nicht auch die Online-Kommunikation weiter aufrechterhalten und die Lernangebote auf den entsprechenden Portalen hochgeladen werden? Der Unterricht muss sich mit der Digitalisierung ändern, aber Corona könnte den nötigen Schubser dazu geben.


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