„Erklär mir, Liebe!“ – Meine Rede zur Ausstellungseröffnung
Foto: Britta Schüssling, Köln

„Erklär mir, Liebe!“ – Meine Rede zur Ausstellungseröffnung

Seit ich im vergangenen September von meiner Fraktion zum Vorsitzenden des Kulturausschusses ernannt wurde, haben sich eine Vielzahl an Terminen angehäuft, die mir die Möglichkeit gegeben haben, die Neusser Kulturlandschaft kennenzulernen. Besonders gefreut habe ich mich über das Angebot vom Clemens-Sels-Museum, ein Grußwort zur Ausstellungseröffnung von „Erklär mir, Liebe!“ zu halten. Es war mir eine große Ehre, meine erste Rede als Vorsitzender außerhalb der Ausschusssitzungen im Clemens-Sels-Museum zu halten. Meine Rede zur Ausstellungseröffnung möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, daher können Sie sie im Folgenden lesen.

Zuvor möchte ich aber noch Werbung für diese großartige Ausstellung machen, die noch bis zum 14. Oktober zu bewundern ist. Es ist bemerkenswert, welche Schätze in der hauseigenen Sammlung vorhanden sind. Zudem danke ich dem Haus, dass Sie mir das Bild zur Nutzung freigegeben haben.

Rede vom 8. Juli 2018 (Es gilt das gesprochene Wort):

Sehr geehrte Frau Dr. Husmeier-Schirlitz, sehr geehrter Herr Dr. Sölter, sehr geehrte Damen und Herren,

zuerst möchte ich der Museumsleitung meinen Dank aussprechen, dass ich mit diesem Grußwort meinen Teil zur Eröffnung dieser Ausstellung beitragen darf. Es ist für mich eine große Ehre, besonders da ich erst seit einem dreiviertel Jahr das Amt des Kulturausschuss-Vorsitzenden bekleiden darf und dies hier mein erstes offizielles Grußwort ist. Daher hat mich Ihre Anfrage, ob ich heute hier sprechen möchte, sehr gefreut und ich hoffe, ich kann Ihr in mich gesetztes Vertrauen erfüllen.

Als ich in den vergangenen Tagen über das Thema Liebe nachgedacht habe, ist mir eine spezielle Art eingefallen: Die Liebe zum Fußball. Für viele, gerade hier in Deutschland, ist Fußball mehr als ein Sport, dem man zeitweise die eigene Aufmerksamkeit schenkt. Fußball und insbesondere der eigene Verein sind für manche eine andauernde Liebesbeziehung, die sie mit einer großen Leidenschaft pflegen. Aber jeder, der Fan eines Vereins ist, denkt zeitweise darüber nach, warum ausgerechnet dieser Verein. Warum bin ich, der im Rheinland aufgewachsen ist, Fan von Hertha BSC Berlin? Warum steht man gerade zu diesem Verein, unabhängig davon, ob es gerade gut läuft oder doch mal wieder schlecht?

Eine Antwort darauf gibt der Autor Nick Hornby, bekannt durch das Buch „About a Boy, oder der Tag der toten Ente“. In seinem Erstlingswerk „Fever Pitch“ gibt es einen Satz, der wohl mehr über Liebe aussagt, als es auf den ersten Blick vermuten lässt: „Few of us have chosen our clubs, they have simply been presented to us“ oder in der deutschen Übersetzung „Du suchst Dir nicht Deinen Verein aus, sondern Dein Verein sucht sich Dich aus“. Ist es nicht genau dieses Irrationale, was nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern die Liebe allgemein ausmacht?

Liebe, so dürfen wir im Laufe unseres Lebens erfahren, ist keineswegs rational und lässt sich deswegen kaum erklären. Wenn die Liebe da ist, kann man ihr kaum aus dem Weg gehen, wie ein Beben, das alles in einem verändert. Aber woran kann man Liebe erkennen und wie unterscheidet sich Liebe vom verliebt sein? Wikipedia spricht bei Verliebtheit von einem intensiven Gefühl der Zuneigung, die kein Dauerzustand ist und das Bewusstsein in der Wahrnehmung einengt. Liebe dagegen ist mehr als die starke Zuneigung. Liebe beinhaltet auch eine Wertschätzung, ein Gefühl, sich geborgen zu fühlen. Ich würde dieses Gefühl beschreiben mit: Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich gut aufgehoben. Und ich freue mich, meine geliebte Person oder meinen geliebten Ort, Verein oder wofür Ihr Herz noch schlägt, zu sehen.

Liebe ist ein Gefühl, dass uns Menschen ein ganzes Leben begleitet und auch stark beeinflusst. Vieles, was wir erleben, hat einen Bezug zur Liebe. So verwundert es nicht, dass die Liebe auch ein Hauptmotiv der Kunst ist. Ab heute dürfen wir hier im Clemens-Sels-Museum eine Ausstellung bewundern, die das Thema Liebe hervorragend in ihren verschiedenen Faccetten präsentiert. Besonders bemerkenswert daran ist, dass die über 80 Werke aus der eigenen Sammlung des Museums stammen und damit einen Einblick in die Fülle der Schätze geben, die sich hier im Laufe der Jahrzehnte zusammengefunden haben.

Als ich am Mittwoch die Ausstellung zum ersten Mal betrachten durfte, war ich von den vielen unterschiedlichen Darstellungen des Motivs Liebe begeistert. Sehr gelungen ist die thematische Unterteilung, wie Liebe in der Kunst vorkommt: Sei es zum Beispiel in der Darstellung von Liebespaaren, deren Gefühle der innigen Zusammengehörigkeit auf den Betrachter übertragen werden. Ebenfalls einen Platz in der Ausstellung finden Darstellungen der elterlichen Liebe, die in ihrer Innigkeit die heranwachsende Person fürs Leben besonders prägt.

Dass die Liebe und der Mensch schon immer zusammengehört haben, zeigen die Darstellungen historischer Liebesgeschichten, deren Erzählungen zeitlos sind und uns noch heute bewegen. An dieser Stelle zeigt sich auch, dass die Liebe nicht nur in der bildenden Kunst eine große Rolle einnimmt, sondern in der Kunst allgemein. So ist die Liebe nicht nur Teil von Erzählungen, die sich bildlich in der Ausstellung wiederfinden (sei als Beispiel Romeo und Julia von William Shakespeare genannt), sondern auch von Gedichten und Aussprüchen, die zwischen den Bildern eine gelungene Ergänzung bieten.

Ebenfalls bemerkenswert ist aber auch die Integration eines Kunstbereiches in diese Ausstellung, in dem die Liebe gerade bei jüngeren Menschen Beachtung findet, nämlich in der Filmkunst. Sätze wie „Vergiss nicht, ich bin auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet, es zu lieben“ aus Notting Hill oder „Ich bin kein kluger Mann, Jenny, aber ich weiß was Liebe ist“ aus Forrest Gump sind im Kopf vieler Cineasten hängengeblieben und prägten Generationen. In dieser Ausstellung können Sie diese bedeutenden Filme beziehungsweise die zum Thema Liebe passenden Ausschnitte noch einmal bewundern, ergänzt durch die Haltungen verschiedener Neusserinnen und Neusser zur Liebe. Eine wie ich finde gelungene Idee, die sicherlich auch zum wiederholten Besuch einlädt.
Wie ich schon gesagt, habe bin ich von dieser Ausstellung sehr angetan. Die Fülle an Kunstwerken zum Thema, die ausschließlich aus dem eigenen Bestand zusammengetragen wurden, ist bemerkenswert. Der Wandel der Zeit und damit auch der Wandel der Darstellungsformen wird hier sehr deutlich und gibt uns Betrachtern die Möglichkeit, das Thema Liebe umfassend zu erfahren. Ob uns die Liebe wirklich erklärt wird, vermag ich nicht zu beantworten, ist das Thema doch so vielfältig, dass es mehr als eine Erklärung gibt. Aber ich glaube, dass alle Generationen hier die Möglichkeit finden, sich ein eigenes Bild der Liebe zu machen.

Mein Dank geht an das Team des Clemens-Sels-Museums und insbesondere an den Kurator, Herrn Dr. Sölter, für diese gelungene Ausstellung und das vielfältige Programm rund um das Thema Liebe. Haben Sie damit viel Erfolg!

An Sie, liebe Gäste, bleibt mir noch zu wünschen: Genießen Sie die Ausstellung, erleben Sie die Welt der Liebe in ihren verschiedensten Ausprägungen und finden Sie ihre ganz persönliche Erklärung zum Thema Liebe.

Vielen Dank!

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